Gedankenspiel zu künftigen Cyber-Konflikten

Eine der Fragen die sich rund um das Thema Cyberwar entspannen sind die Überlegungen und Mutmaßungen, wie genau Cyberwaffen zukünftig in militärischen Konflikten eingesetzt werden könnten und welchen Einfluss diese Domäne auf kriegerische Auseinandersetzungen haben kann. Während insbesondere in den Medien oder der Belletristik und mit Blick auf die Gefährdungen kritischer Infrastrukturen regelmäßig der „Cyber-Doom“ ausgerufen wird,  verweisen Wissenschaftler eher darauf, dass sowas wie ein Cyberwar vielleicht gar nicht eintreten wird.  Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll die Frage zu stellen, wie Cyber-Mittel aktuell in Konflikten eingesetzt werden, wie sich die Formen zwischenstaatlicher Konflikte im allgemeinen entwickeln und in welchem Umfang Cyberwaffen daran beteiligt sein könnten. Dieser Frage ist Mark Cancian vom Center for Strategic and International Studies (CSIS) nachgegangen, der sich in seiner umfangreichen Analyse „Avoiding Coping with Surprise in Great Power Conflicts“ (lokale Kopie) mit dem Aspekt der Überraschung als Element künftiger Konflikte befasst und Cyber dabei insbesondere unter dem Aspekt der technologischen Überraschung (und Element der Überrumpelung) in einem Szenario skizziert. Dabei gehen seine Vorstellung über das reine Hacking von militärischen IT-Systemen hinaus, sondern umfassen auch Elemente der gezielten Desinformation, der Verbreitung (echter oder gefälschter) „geleakter“ Daten oder die psychologische Beeinflussung relevanter Akteure über deren Social-Media-Accounts: Im Prinzip alles Dinge die heute bereits in der einen oder anderen Form vorkommen und im Begriff der „hybriden Konflikte“ zusammengefasst werden. Insofern ist das Szenario keineswegs abwegig und die Analysen des Autors sehr empfehlenswert. Ein kurzer Ausschnitt:

There was the commanding officer of Edwards Air Force Base whose Internet browser history had been posted on the squadron’s Facebook page. His command turned on him as a pervert; his weak protestations that he had not visited most of the posted links could not counter his admission that he had, in fact, trafficked some of them. Lies mixed with the truth. Soldiers at Fort Sill were at each other’s throats thanks to a series of text messages that allegedly unearthed an adultery ring on base.

The variations elsewhere were endless. Marines suddenly owed hundreds of thousands of dollars on credit lines they had never opened; sailors received death threats on their Twitter feeds; spouses and female service members had private pictures of themselves plastered across the Internet; older service members received notifications about cancerous conditions discovered in their latest physical.

Leadership was not exempt. Under the hashtag # PACOMMUSTGO a dozen women allegedly described harassment by the commander of Pacific command. Editorial writers demanded that, under the administration’s „zero tolerance“ policy, he step aside while Congress held hearings.