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Seminar des BMVg denkt die Offensive im Cyberspace

In einem Seminar-Format des BMVg – betitelt als „Unseminar“ und offen für alle Interessierte – wurden Ende April in Strausberg durch zivile und militärische Teilnehmer in einem Planspiel Szenarien diskutiert, wie mit hybriden Strategien – die explizit den Cyberspace als Operationsraum umfassen – zukünftig Kriege geführt werden können. Aus Sicht von Verteidigung und Abwehr ist es sicher sinnvoll mögliche Angriffsszenarien und Strategien zu durchdenken um sich entsprechend vorzubereiten. Der Pressebericht (Quelle, lokale Kopie) des BMVg zu dem besagten Seminar betont jedoch in erster Linie die Vorteile des Cyberspace als offensives Wirkmittel, dessen effizienten Einsatz und Wirkungsreichweite, wie bspw. die Angaben zu einem Plan-Spiel, das vom Referat Zukunftsanalyse im Planungsamt der Bundeswehr entwickelt wurde:

Rechtliche oder ethische Einschränkungen müssen nicht beachtet werden. Henning Hetzer hat schließlich das Motto ausgegeben: „Darüber nachdenken, was denkbar ist.“

Entsprechend kommen die Teilnehmer des Plan-Spiels zu Ergebnissen, bei denen unter anderen massiv kritische Infrastrukturen angegriffen werden sollten, mit dem Ziel der „Herbeiführung eines unblutigen Machtwechsels bei Erhalt der Infrastruktur„.

Der dabei verkündete Fokus auf den Cyberraum als „attraktiver Operationsraum (..) weil zunächst keine Schüsse fallen“ ist dabei aus friedenspolitischer Sicht kritisch zu bewerten. Eine solche militär-stragrische Heransgehensweise könnte auch zu einer De-Sensibilisierung und Ausweitung militärischer Aktivitäten führen, wenn die Gefahr eigener Verluste minimiert oder Angriffe mit subjektiv zielgenauer Präzisions-Wirkung ausgeübt werden können.

In jedem Fall muss sich in den kommenden Wochen und Monate zeigen, wie die Bundeswehr und das BMVg die angestrebte Konzentrationen und Verbesserung der Cyberfähigkeiten, die eben auch den Ausbau der Offensiv-Kräfte umfassen, und deren außenpolitischen Signalwirkung mit der eindeutigen Strategie einer Defensiv-Armee mit klarer Parlamentsmandatierung in Einklang bringen will.

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